Warum tun sich die USA so viel schwerer mit der Corona Virus Krise als Europa?

Der Vergleich des Verlaufs der Corona Virus Pandemie in Europa und in den USA zeigt schlagartig, welches die wichtigsten Treiber der Virus-Ausbreitung sind und wo zur wirksamen Bekämpfung angesetzt werden kann.

Flugverkehr über den USA im Vergleich zu Europa am 19. April 2020

Normal dichter Flugverkehr über den USA. Es gibt wegen dem Corona Virus kaum Einschränkungen.
Über Europa ist der Flugverkehr wegen der Corona Virus Pandemie praktisch eingestellt. Es gibt ein paar Transitflüge mit Start und Ziel ausserhalb Europas und ein paar Cargo-Maschinen. Der Unterschied zum Flugverkehr über den USA ist sehr auffällig.

Wie kommen einzelne Länder mit der Corona Virus Pandemie zurecht?

rosa: Die Schweiz als Referenzland.
rot: Diese Länder weisen mehr Neuansteckungen pro Tag auf als die Schweiz.
gelb und weiss: Diese Länder weisen weniger Neuansteckungen pro Tag als die Schweiz auf.

In obiger Statistik fällt auf, dass die USA bis jetzt weniger Tote pro 100’000 Einwohner aufweisen, als die Schweiz. Das kann sich aber schnell ändern, denn nur Spanien weist noch eine so hohe Ansteckungsrate von über 9 Neuansteckungen pro 100’000 Einwohner und Tag auf wie die USA.

Diese hohe Rate an Neuansteckungen in den USA verwundert nicht, wenn man die aktuellen Reisebeschränkungen in den USA und in Europa vergleicht. Sehr deutlich kann man dieses unterschiedliche Reiseverhalten in den weiter oben platzierten Bildern von Flightradar24 sehen. Über den USA herrscht normaler Flugverkehr, in Europa strikte Reisebeschränkungen in der Luft und am Boden. Der Verkehr von einem Land in ein anderes ist eingestellt, ausser für Gütertransporte. In Deutschland ist es sogar untersagt, von einem Bundesland in ein anderes zu reisen.

Die Ausbreitung der Corona Virus Pandemie in der Schweiz und in den USA weist grosse Ähnlichkeiten auf

In der Schweiz wie auch in den USA sind die Folgen in verschiedenen Landesteilen sehr, sehr unterschiedlich. In der Schweiz sieht es bezüglich der Zahl der Todesfälle in der Deutschschweiz viel besser aus als in der Romandie und im Tessin.

Die Zahl der Toten in den Landesteilen stimmt nicht mit dem Total für die ganze Schweiz überein. Die Zahlen stammen aus unterschiedlichen Quellen und beziehen sich nicht auf das selbe Datum.

Ich erkläre diese Unterschiede anhand der Schweiz, da die Verhältnisse in der Schweiz wegen der Grösse besser überblickbar sind. In den USA sind es die selben Faktoren, die zu den unterschiedlichen Folgen der Pandemie in den einzelnen Bundesstaaten führen.

Der mit Abstand wichtigste Faktor bei der Zahl der Todesfälle ist das Reiseverhalten und das strikte Einhalten der Quarantäne. Das Tessin und die Romandie grenzen an Nachbarländer mit sehr vielen schweren Krankheitsverläufen und entsprechend vielen Corona-Toten.

UNO, Genf

Die Deutschschweiz grenzt an Deutschland und hat eine ähnlich tiefe Moratalitätsrate wie das Nachbarland. In der Romandie und im Tessin arbeiten mehr Pendler als in der Deutschschweiz. Dieser grössere tägliche Grenzverkehr und in Genf der internationale Reiseverkehr im Zusammenhang mit der UNO sind sicher die wichtigsten Treiber dieser katastrophal hohen Corona Sterberate in der französichen und italienschen Schweiz.

Über das Wochenende starben nach vorläufigen Angaben in der Schweiz 24 Menschen am Corona Virus. Es sieht so aus, als ob die Zahl der täglichen neuen Todesopfer am Abnehmen sei.

Es sind beim Bundesamt für Gesundheit keine Angaben verfügbar, wie sich die täglichen Neuansteckungen auf die drei Landesteile verteilen. Diese Zahl der Neuansteckungen pro Landesteil sind aber eine wichtige Informationen, um zu beurteilen, welche zusätzlichen Anstrengungen notwendig sind, um die Corona Virus Pandemie endlich unter Kontrolle zu bekommen. Glücklicherweise gibt es eine zuverlässige Seite, die die statistischen Informationen bis auf Ebene der einzelnen Kantone herunterbricht.

Sind Lockerungen der Massnahmen bereits jetzt angebracht?

Der Schweizerische Bundesrat kommunizierte am 16. April 2020 in einer Medienmitteilung seinen Plan, die Massnahmen in drei Etappen zu lockern.

PHASE 1
Ab dem 27. April 2020 können Spitäler wieder sämtliche, auch nicht-dringliche Eingriffe vornehmen und ambulante medizinische Praxen sowie Coiffeur-, Massage- und Kosmetikstudios ihren Betrieb wieder aufnehmen. Baumärkte, Gartencenter, Blumenläden und Gärtnereien dürfen wieder öffnen.

PHASE 2
Am 11. Mai sollen die obligatorischen Schulen und die Läden wieder öffnen.

PHASE 3
Am 8. Juni sollen dann Mittel-, Berufs- und Hochschulen sowie Museen, Zoos und Bibliotheken wieder öffnen.

Die Todesrate hängt hauptsächlich von der Einhaltung der Quarantäne und vom Reiseverhalten ab.

Im Tessin mit 53 Corona-Toten pro 100’000 Einwohner und in der Romandie mit 24 Corona-Toten pro 100’000 Einwohner liegt man im Bereich der am schlimmsten betroffenen Länder wie Belgien, Frankreich, Italien oder Spanien. In einer solchen Situation von Lockerungen zu sprechen ist nur noch blanker Sarkasmus.

Es ist offensichtlich, dass die Wirtschaft den Bundesrat vor sich hertreibt und der Bundesrat der Wirtschaft zu wenig Widerstand entgegensetzt.

In der Schweiz ist nicht genügend Schutzmaterial für die gesamte Bevölkerung verfügbar.

Ziemlich beschönigend lässt der Bundesrat folgendes verlauten:
„Die Lockerungen werden durch Schutzkonzepte begleitet. Diese können je nach Branche eine Empfehlung oder Pflicht zum Maskentragen beinhalten. Der Bundesrat will weiter die wirtschaftlichen Schäden möglichst gering halten und die Einschränkungen der Grundrechte wo möglich verringern.“

Die Wirtschaft übt Druck über verschiedene Kanäle auf den Bundesrat aus.

Lockerungen anzuordnen, bevor für die gesamte Bevölkerung genügend Schutzmasken und Schutzbrillen verfügbar sind, ist der blanke Wahnsinn! Dass der Bundesrat auf Druck der Wirtschaft sich zu einem so unverantwortlichen Schritt hinreissen lässt, ist schlicht kriminell.

Ich hätte ganz im Gegenteil erwartet, dass der Bundesrat zusätzliche Massnahmen erlässt, um auch die Situation im Tessin und in der Romandie unter Kontrolle zu bringen.

Vor allem die am 11. Mai 2020 vorgesehene Öffnung der Schulen wird in einer Katastrophe enden.

In einem Schulzimmer lässt sich der notwendigt Sicherheitesabstand zwischen den Schülern nicht einhalten. Zudem können die Viren im Aerosol vom Ausatmen bis zu drei Stunden in der Luft schweben.

In einem Schulzimmer lässt sich der notwendige Sicherheitesabstand zwischen den Schülern nicht einhalten. Zudem können die Viren im Aerosol vom Ausatmen bis zu drei Stunden in der Luft schweben. Trägt nur ein Schüler das Virus in sich, ist schnell eine ganze Klasse angesteckt und die Kinder stecken zu Hause ihre Familien an. Schulen sind ein gefährlicher Hotspot und sie sollten deshalb erst wieder geöffnet werden, wenn die Pandemie vorüber oder ein Impfstoff verfügbar ist.

Die Schulen zu früh öffnen kann in eine Tragödie ausarten. Der Entscheid ist zu überdenken.

Der Entscheid, die Schulen zu öffnen, während noch so viele Menschen täglich angesteckt werden, ist scharf zu verurteilen. Diese Lockerung wird die Zahl der Fälle, auch der schweren Fälle, explosionsartig anschwellen lassen. Das Gesundheitssystem wird innert weniger Wochen an den Rand seiner Leistungsfähligkeit gelangen. Wenn keine freien Beatmungsgeräte mehr verfügbar sind, wird die Todesrate massiv ansteigen. Diese Lockerung bedeutet das Todesurteil für Tausende von Bürgern.

Die Frage, die sich uns stellt: „Handelt der Bundesrat aus Dummheit oder müssen wir gar Bösartigkeit annehmen?“

Solidarität mit den Tessinern und den Romands wäre meiner Meinung nach viel wichtiger, als die Wirtschaft bereits jetzt wieder in Gang zu setzen, und damit eine zweite, weit schlimmere Welle an Corona Virus Erkrankungen auszulösen.

Die USA ist das Land mit der weltweit schnellsten Ausbreitung des Corona Virus und Donald Trump will trotzdem Lockerungen der bereits viel zu schwachen Massnahmen.

Es ist eine einfache Frage, die sich allen stellt, die über die Massnahmen gegen die Corona Virus Pandemie zu entscheiden haben:

Entscheiden wir uns für die Wirtschaft und für Wohlstand, oder würgen wir die Wirtschaft und die sozialen Kontakte ab und retten Menschenleben?

Donald Trump muss, entsprechend den Gesetzen in den USA, diese Entscheidungen den Gouverneuren der Bundesstaaten überlassen. Er gibt jedoch Empfehlungen aus, dass die Massnahmen auf die in einem Bundesstaat herrschende Situation abgestimmt sein sollen.

Hat die Wirtschaft oder haben Menschenleben die erste Priorität?

Schreibe einen Kommentar